Sprachliches…

Sprachliches…

Doch nun ein Intermezzo, etwas anderes, nicht minder Wichtiges: Die Sprache. Unsere Muttersprache, um es genau zu nehmen.

Ich bin allseits als kritischer und aufmerksamer Beobachter bekannt, als ein Mensch, der nicht einfach hinnimmt, was ihm an sprachlichen und kulturellen Gepflogenheiten vorgesetzt wird; ich sehe, ich höre, ich denke und ich widerlege. In diesem speziellen Fall sehe ich mich gezwungen, einige der bekanntesten Sprichwörter und Redensarten auf ihre Zuverlässigkeit und Allgemeingültigkeit hin zu überprüfen. Diese Nachforschungen brachten folgendes zum Vorschein:

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.“

Dies ist ein blühendes Beispiel für die Absicht, den Menschen in falsche Hoffnungen und Vermutungen einzulullen. Es wird in dem Sprichwort richtig erkannt, dass eine Schwalbe keinen Sommer macht, allerdings entsteht durch die Formulierung des Satzes der Eindruck, als ob zwei oder mehrere Vögel dieser Gattung sehr wohl in der Lage wären, solches zu tun. Dem muss entgegengehalten werden, dass nach Ansicht der führenden Ornithologen kein Vogel (und erst recht keine Schwalbe) imstande ist, das Werden einer Jahreszeit in irgendeiner Form zu beeinflussen, vielmehr handelt es sich hierbei um einen jährlich wiederkehrenden Prozess, der sowohl mit tausend Schwalben als auch gänzlich ohne eine solche abläuft.

„Kleider machen Leute.“

Das ist von Grund auf falsch! Es ist doch jedem einsichtig, dass genau der umgekehrte Fall zutrifft. Noch niemals in der Geschichte der Menschheit wurde auch nur ein Kleidungsstück beim „Leutemachen“ beobachtet, allerdings lässt sich in jeder Schneiderei nachprüfen, dass im Gegenteil die Leute die Kleider machen. Außerdem werden zur Produktion von Leuten meines Wissens nach zwei Menschen von völlig unterschiedlichem Geschlecht benötigt, mit Kleidern funktioniert das nicht. Als Beweis kann ich anführen, dass meine Eltern ganz gewiss Menschen sind und nicht, wie man dem Sprichwort nach glauben sollte, irgendwelche Kleidungsstücke.

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“

Wenn dieses sehr veraltete Sprichwort auch nur in irgendeiner Form zutreffend wäre, dann gäbe es auf der Welt keine einzige Institution der Erwachsenenbildung. Außerdem wird hier eine Festlegung auf einen bestimmten Namen getroffen, welche im Zeitalter der Individualität des Menschen sehr verwerflich ist. Es ist überdies sogar so, dass diese Redensart den erwachsenen Menschen kollektive Faulheit oder Dummheit vorwirft, dagegen muss Einspruch erhoben werden!

„Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.“

Völliger Unsinn. Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, einen Tag zu loben, das wäre doch in höchstem Maße unlogisch! Tage sind Begriffe für Zeitspannen und als solche außerstande, Attribute wie Lob oder Tadel zu registrieren. Es ist also nichts weiter als reine Zeitverschwendung, etwas Bewusstseinsloses wie einen Tag mit derlei Dingen konfrontieren zu wollen. Auch wenn man es versucht, man erhält ohnehin keine brauchbare Reaktion.

„Liebe geht durch den Magen.“

Erstens ist Liebe ebenfalls ein über keinerlei Materie verfügender Begriff und deshalb nicht in der Lage, irgendwohin zu gehen, geschweige denn durch den Magen. Zweitens gehen bekanntlich nur Dinge durch dieses Organ, welche man vorher oral zu sich genommen hat und die werden ab dieser Station dem biologischen Prozess des Verdauens zugeführt. Der verbleibende Rest kann beim besten Willen nicht als Liebe bezeichnet werden. Außerdem fängt das Gebiet des Körpers, auf den sich Liebe des Öfteren bezieht, erst ca. 30 Zentimeter unterhalb der Magengegend an.

„Pech in der Liebe, Glück im Spiel.“

Hier bedarf es gar keiner langatmigen Erklärung, es reicht als Beispiel mein eigener Erfahrungsschatz zu diesem Thema: Ich habe bisher in der Liebe alles andere als Glück gehabt, aber andererseits habe ich auch noch nie irgendetwas gewonnen. Und bei meinem Liebespech müsste das inzwischen ein vierfacher Jackpot im Lotto sein.

„Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.“

Falsch. Viel eher beenden sie eine Freundschaft. Denn wenn man jemandem in Freundschaft zugetan ist, dann ist es tödlich, diesen Menschen mit wertlosen Kleinigkeiten abspeisen zu wollen, man blamiert sich unsagbar durch derartige Knauserigkeit. Vor allem Frauen (insbesondere Ehefrauen) können zum Beispiel auf ein zu billig ausgefallenes Schmuckstück äußerst empfindlich reagieren. Deshalb: Schenke reichlich, man wird es dir vergelten!

„Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“

Mein Vorschlag lautet: Spare in der Not, da hast du Zeit dazu. Sparen ist ja sowieso ein sinnloses Unternehmen, denn wofür spart man denn? Nur für die Nachkommen, die weiden sich am Ersparten der Vorfahren und werden ihrerseits dadurch von der Pflicht des Sparens entbunden. Und wenn ich „in der Zeit“ spare, dann habe ich zwar etwas für Notzeiten, doch was ist, wenn gar keine Notzeiten kommen? Dann habe ich niemals etwas vom Lohn meiner Arbeit, denn während man spart, kann man sich keine großen Sprünge erlauben.

„Bei Nacht sind alle Katzen grau.“

Diese Viecher sind nächtens völlig unsichtbar, da die Dunkelheit ein Erkennen von Katzen unmöglich macht. Es kann eigentlich nur der Fall eintreten, dass in der Zeitspanne der Dämmerung das menschliche Auge derartig getäuscht wird, so dass man irrtümlich meint, es gäbe nur mehr graue Katzen. Sie sind es aber nicht, es ist allen Katzen nämlich unmöglich, die Farbe ihres Felles in Grau umzuwandeln. Noch dazu in so kurzer Zeit, einfach lächerlich.

„Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“

Also ich persönlich wüsste wirklich nicht, was ich mit einem ordinären Spatzen anfangen sollte. Dasselbe gilt auch für Tauben. Denn beide Vögel sind weder eines anmutigen Gesanges mächtig (man denke nur an das entnervende Gurren der Tauben), noch sind sie groß genug, um eine passable Mahlzeit abzugeben. Demnach fehlt diesem Sprichwort jegliche Form von logischer Berechtigung. Spatzen sind seit jeher völlig uninteressante Tiere. Und Tauben üben auch keine sonderliche Faszination mehr aus, zumal sie die dämliche Angewohnheit haben, sich von oben, also vom Dach aus, ihrer Exkremente zu entledigen, welche einem mit unheimlicher Sicherheit auf den Kopf fallen.

Das waren nur einige Beispiele für den unachtsamen Gebrauch der deutschen Sprache im täglichen Leben. Ich hoffe, mit meinen sehr exakten Enthüllungen einige Denkanstöße gegeben zu haben und verspreche, dass ich auch in Zukunft über die Sprachkultur wachen werde, denn schließlich ist uns unsere Muttersprache heilig!

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