Feministisches…

Feministisches…

Erster Akt oder der Weg in die Knechtschaft

Ich habe lange überlegt, ob ich das Risiko eingehen soll und als ein weiterer Vermessener über das Thema mit der höchsten Brisanz in der Geschichte der Menschheit meine Weisheiten kundtun soll. Doch ich gehe das Wagnis ein, ich öffne hiermit die Büchse der Pandora und schreibe über Frauen, im Vollbesitz meiner Sinne:

Man sagt, jede Frau hat ihr Geheimnis. Stimmt. Und zwar jeden Tag ein Neues. Dies mögen sich all jene modernen und aus jeder Form des Geschlechterkampfes herausgewachsenen neuzeitlichen Männer mit roter Tinte in ihr Stammbuch schreiben, die da meinen, man solle den Frauen doch um Gottes Willen ihr Geheimnis lassen. Denn sie befinden sich im Irrglauben, wenn sie von nur einem Geheimnis ausgehen! Wahr ist vielmehr, dass es für uns Männer, wollen wir nicht endgültig zu Statisten degradiert werden, nichts Wichtigeres geben kann, als den Frauen so viele Geheimnisse wie nur irgendwie möglich zu entreißen. Aber behandeln wir dieses Thema doch lieber chronologisch, das Sterben all unserer Kraft sozusagen von Anfang an:

Man(n) wird unvermittelt eines Weibes gewahr. So fängt es immer wieder an. Man erspäht eine Frau, die – wohlgebaut und voller Anmut – uns entweder von wohlmeinenden Bekannten präsentiert wird, oder die einem einfach so über den Weg läuft. Das muss noch nichts Böses bedeuten, aber die Chancen einer emotionalen Infektion unsererseits sind in dem Moment bereits erheblich. Wenn sich aus diesem Vorfall nichts weiteres ergibt, wenn keine wie immer geartete Kontaktaufnahme erfolgt, dann haben wir noch mal Glück gehabt, dann sind wir gerade noch am Eisberg vorbeigeschrammt. Wenn aber die Situation eine solche wird, dass ein beidseitig anregender verbaler Kontakt folgt, dann treten oft genug unheimliche Mechanismen in Kraft und das läuft so: Unsereiner wechselt Worte mit der Schönen, empfindet die Unterhaltung mit ihr als angenehm und merkt noch nicht, dass die Lunte bereits brennt. Sie indessen hat uns bereits vom ersten Blickkontakt an vollständig durchschaut und hat uns dank weiblicher Intuition in einer Zehntelsekunde besser analysiert, als sämtliche Psychoanalytiker es jemals fertig bringen würden. Und dass sie sich uns im Gespräch gewogen zeigt, das ist auch keine spontane Entwicklung, das ist bereits Teil einer teuflisch perfekten Langzeitstrategie. In uns erwacht unterdessen das Jagdfieber. Die Muskeln spannen sich, der Puls erhöht sich, ganz klar, wir wollen dieses Prachtstück erlegen und unserer Trophäensammlung einverleiben, ohne zu wissen, dass sie diesen Zustand bei uns ein- und ausschalten kann wie eine Nachttischlampe. Wir hängen fest und sicher am Köder. Sollten wir, sei es aus Ungeschick, sei es aus hormonellen Mangelerscheinungen, dennoch das Interesse verlieren, dann hilft sie geschickt und unauffällig nach. Das kann ein zufälliges Vorbeugen mit zu weit geöffneter Bluse sein, eine flüchtige Berührung oder auch nur ein glutäugiger Blick. Und schon zappeln wir munter weiter im Netz. Daraufhin wird kommen, was kommen musste: Wir nähern uns der Frau, sie entzieht sich anfangs noch kokett, um dann durch scheinbares Nachgeben die Falle endgültig zuschnappen zu lassen. Der erste Kuss. Aus und vorbei. Da sie uns für längerfristige Experimente ausgewählt hat, verweigert sie vorerst noch unseren vermeintlichen koitalen Blattschuss. Sie gewinnt Zeit und wir verfallen ihr indes umso mehr. Doch irgendwann erliegt sie dem Werben (das heißt, sie nimmt sich uns) und wir genießen unseren vermeintlichen Triumph. Ab diesem Zeitpunkt sind wir blind und dämlich. Mit Betonung auf dämlich. Im Sinne von gotterbärmlich naiv. So schwebt man wie auf Wolken, wenn sie zugegen ist und man(n) zum Zielgebiet ihrer erotischen Attacken auserkoren ist. In dieser Situation sind wir wehr- und schutzlos, die Alarmglocken schrillen nicht, obwohl sie es gerade jetzt in voller Lautstärke tun sollten, jegliche Geistesleistung erlischt mangels Durchblutung des Gehirns und das Schicksal nimmt unbarmherzig seinen Lauf. Dieser Zustand ist für uns Männer der einzige Glück verheißende, dafür wurden seit Anbeginn der Menschheit unzählige Kriege ausgetragen und es ist der erste Schritt in eine unheilbare Sucht. Nun gut, auch das stärkste Hormon liegt irgendwann matt danieder und spätestens jetzt sollte unsereiner neben einem rechtschaffenen Durst auch ein gehöriges Maß an Misstrauen empfinden. Aber nein, mit dem Werkzeug der Lust erschlafft auch unser letzter Rest von Instinkt und sie triumphiert mit Worten wie etwa diesen: „So wunderbar wie mit Dir war es noch mit keinem, Du bist der beste Liebhaber der Welt!“ Uns fällt in dem Moment natürlich nicht auf, dass sie damit eine haarsträubende Lüge von sich gegeben hat, denn irgendwie sind wir alle gleich schlecht oder gut, allein kleine technische Feinheiten unterscheiden uns. Wir fühlen ob des Flüssigkeitsverlustes jetzt nur eines, und das ist Durst. Die Metapher des symbolischen Nachtankens sozusagen. Zwischenbilanz: Der Romantiker ist selig, er hat aber soeben seine Seele und seinen persönlichen Frieden auf lange Zeit hinaus verkauft. Der Softie ist stolz, weil er ihre Gefühle respektiert hat und weil er ihr die Kontrolle überlassen hat, aber er ist soeben zur lächerlichen Figur verkommen, die es nicht besser verdient, als bei unzähligen Tupperparties und Kaffeeklatsch-Runden schallend ausgelacht zu werden. Der Macho ist in erster Linie stolz auf seine Potenz, jedoch ahnt auch er nicht im Geringsten das Ausmaß seiner Niederlage. Zumindest er wird möglicherweise weiterempfohlen werden, ein denkbar schwacher Trost.

Nun hätten wir also den Anfang geschafft, das Weib ist (so meinen wir) unser und einer harmonischen Zukunft steht nichts im Wege. Diese Form des Irrglaubens aber hat in anderen Ausprägungen unter anderem Napoleon bei Waterloo kläglich scheitern lassen und einen schnauzbärtigen Oberösterreicher um das dritte Reich gebracht. Denn sie beginnt sogleich alle unsere internen Strukturen zu infiltrieren und spielt mit großer Perfektion das Spiel von Zuckerbrot und Peitsche. Mal schmeichelt sie uns, so dass wir uns für die Größten halten, mal hält sie uns wieder die allerkleinste Verfehlung mit unerbittlicher Strenge vor, voll Genugtuung ob unserer daraufhin folgenden tiefen Verwirrung. Sie entwickelt einen übersinnlichen Spürsinn für unsere Schwachstellen und kann die kleinen, aber hilfreichen Migräneanfälle fast beliebig steuern. Und trotzdem, wir sind diesem Volk auf ewig verfallen, das haben wir nun davon, dass einst Kain den Abel erschlug. So also rächt sich der Schöpfer an uns, er schickt uns das „schwache Geschlecht“! Und ich werde nicht müde werden, unablässig vor dieser Gefahr zu warnen, wohl wissend und ahnend, dass auch ich eines Tages der Versuchung erliegen werde und auch meine Rufe ungehört verhallen werden…

Doch vorerst genug der Kassandra-Rufe, wie stellt sich der weitere Werdegang einer solchen Geschichte dar? Was geschieht mit dem Opfer, wenn es also erlegt worden ist? Den Macho vergessen wir in diesem Zusammenhang, sofern er gut war, wird er nach einer gewissen Zeit herumgereicht, fühlt sich dabei wie der größte Eroberer und ist auf seine Weise glücklich. Der Softie hingegen steht die kommenden Ereignisse garantiert nicht ohne fremde Hilfe durch und wird irgendwann weinend in einer Selbsthilfegruppe zusammenbrechen und ein Verhältnis mit seinem Psychotherapeuten beginnen. Ich nehme hier als Beispiel den modernen, aufgeklärten und durch und durch frauenfreundlichen Mann, den bekennenden Romantiker und Wunschliebhaber, für den wir uns ja selbstverständlich alle halten. Die Nacht ist also vorbei, die Fee ist entschwunden und hat uns in einer Mischung aus körperlichen Abnutzungserscheinungen und seelischer Verwirrung zurückgelassen. Und während wir noch immer total orientierungslos sind, ist bereits ein weiterer Mechanismus im Gange, denn: Je öfter sie bisher auch versichert hat, wie unwichtig die Ausmaße unseres männlichen Selbstverständnisses in Zentimetern auch seien, umso genauer wurden wir während dieser ersten Nacht bereits vermessen, klassifiziert und verglichen. Denn nur diejenigen Frauen, denen imponierende Größe ein bekannter Begriff ist, die können großmütig verkünden, dass sie an den kleinen Dingen mindestens ebensolche Freude hätten. Während unsereiner also daran geht, dieses Erlebnis im Geiste so aufzubereiten, dass man es im Freundeskreis als alles überstrahlenden Sieg verkünden kann und die Geschlechtsgenossen von möglichst großen Neidgefühlen heimgesucht werden; währenddessen also hat sie ihre geheimen Bündnispartnerinnen bereits detailliert informiert. Makaber: Wir planen die Bilanzverfälschung noch, sie hat indessen die Geschichte bereits „unter dem Siegel der Verschwiegenheit“ an die drei besten Freundinnen verfüttert. Wir überlegen noch hin und her, wann und wie es eine der erotischen Perfektion dienende Wiederholung der schwachen Stunden geben könnte und sie hat bereits einen Zeitplan im Hinterkopf, wie lange diese Beziehung definitiv dauern wird. Ihr Leidensgenossen, Männer der Neunziger, ist euch denn noch nie aufgefallen, wie freundlich und interessiert euch die „Besten Freundinnen“ des vermeintlichen Opfers schon kurze Zeit nach der ersten Nacht der Nächte begegnen? Habt ihr diese Herzlichkeit denn wirklich als freudige Anteilnahme gedeutet? Ihr Narren! Das zuckersüße „Hallo, ich hörte, du bist jetzt mit der XY zusammen?“ ist doch in der wahren Übersetzung nichts anderes als ein vor Neugier brennendes „Sag mal, kannst Du wirklich dreimal hintereinander?“ Es kann aber auch das genaue Gegenteil heißen, ich habe leider noch nicht herausgefunden, wann es jetzt lobende Anerkennung oder peinlichste Verhöhnung ist. Es wird noch einiger Studien bedürfen und möglicherweise werde ich diesen Code niemals entschlüsseln können, aber zumindest bin ich diesbezüglich schon recht wachsam.

Überhaupt ist es verwunderlich, ja beinahe schon faszinierend, wie sehr das weibliche gesprochene Wort und der weibliche Gedanke dahinter differieren können. Mir scheint es deshalb wichtig, eine gewisse Art der „Immunität“ zu erlangen, die mich nicht mehr blind in jede Falle tappen lässt. Mir widerstrebt es zutiefst, einer der vielbesungenen so genannter „neuen Männer“ zu werden, die sich willenlos von jeder neuen Spielart der vermeintlichen Emanzipation von einer Ecke in die andere scheuchen lassen. Wenn ich mir die armen Tröpfe nur ansehe, die auf diesen Leim gegangen sind! Da mühen sie sich täglich aufs Neue, untertags die Wölfe im Beruf zu sein und abends die perfekte Mischung aus Hausdiener, Kindermädchen und Latin Lover darzustellen! Das hat mit Gleichberechtigung nichts mehr zu tun, das ist Kniefall vor der Übermacht der „Powerfrauen“ – im Übrigen ein schreckliches Wort. Doch was tun? Wo Hilfe finden, mit wem sich verbünden? Mit Leidensgenossen? Nur nicht! Die schwingen in der Herrenrunde die größten Reden, ein jeder ist noch mehr Macho, man ist umgeben von Al Bundy-Kopien und sobald die heimische Tür hinter ihnen ins Schloss fällt, dann bringen sie keinen Piep mehr hervor, aus Angst, „ihre Gefühle zu verletzen“. Rat und Trost kommt aus ganz anderen Richtungen. Man begebe sich auf die höchsten Berge, man forsche in den ländlichsten Gebieten, man durchstreife die finstersten Wälder und wenn man Glück hat, dann trifft man einen der alten und lebenserfahrenen Ureingeborenen, die noch wissen, wo der Hammer hängt. Die haben seinerzeit die Trümmerfrauen gebändigt, von diesen Männern geht große Weisheit aus, denen wurde ein fast vergessenes Wissen zuteil. Legendär ist jener Hinweis eines dieser wenigen Verstehenden: Wenn man ein Weib begehre, so richtig und vom Kopf bis zu den Zehen, mit deutlicher Verstärkung des Wollens im Lendenbereich; wenn man also hinter einem solchen Wesen her sei wie der Leibhaftige hinter der armen Seele und sie zeige sich nicht im Geringsten geneigt und schon gar nicht willig, dann stelle man sich die Angebetete einfach von bösem Durchfall gepeinigt auf dem Lokus sitzend vor. Und schon wolle man sie nicht mehr. Ansonsten sei man sowieso abartig veranlagt. So sprechen die alten Weisen. Ich habe es versucht und es hat schon des Öfteren funktioniert. Auf diese Art habe ich mir schon einige Fegefeuer und vermutlich auch schon die eine oder andere Scheidung erspart. Ein weiteres Zaubermittel heißt Flexibilität. Nicht jene Scheinflexibilität, welche uns das gefährliche Geschlecht aufzwingen will und die letztendlich nichts anderes ist als die Verwandlung zum willenlosen Hampelmann, nein, ich meine diese Flexibilität, die es uns erlaubt, immer einen Schritt weiter zu sein. Wenn sie sich auf die Machos einschießen, der liebenswürdigste Softie sein. Wenn sie dann über die „Schlappschwänze“ herziehen, schon längst wieder unheimlich cool und tough sein. Keiner ihrer Pfeile darf sein Ziel finden! Aber jede Frau will irgendwie anders behandelt sein. Hier meine Erfahrungen: Wenn ich cool-distanziert war, dann wollte die jeweilige SIE garantiert ein sich anklammerndes Streicheltier. Wenn ich dagegen soft wie ein Plüschtier und romantisch wie weiland Cyrano de Bergerac war, dann war ich mit Sicherheit an eine von der strengen Fakultät geraten, die sich sofort in ihrer Freiheit bedrängt fühlte. Heute weiß ich freilich, dass man diese verschiedenen Extreme nicht nacheinander mit verschiedenen Frauen ausleben soll, sondern in der Beziehung mit EINER Frau ALLE Spielarten braucht, um nicht in absehbarer Zeit als der einzige Dumme dazustehen. Dabei geht es mir gar nicht darum, zu dominieren. Es liegt viel Verzweiflung in der Niederlage. Es liegt viel Langeweile im Sieg. Es liegt jedoch ungemein viel Spannung im Gleichgewicht der Kräfte.

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