Kulinarisches – ein Klassiker für Kenner :-)

Kulinarisches…

Es ist im Übrigen erstaunlich und höchst beachtenswert, in welch vielfältiger Weise so manche tiefe philosophische Weisheit in diverse alltägliche Banalitäten eingewoben ist. Fast alles im Leben kann man irgendwie und mit gutem Willen auf das Schlachtfeld der Sexualität, in die Untiefen der Kindheit, der Menschheitsentwicklung oder dergleichen mehr transportieren. Stichwort Erdäpfelwurst. Ganz normale steirische Erdäpfelwurst. Die mir einzuverleiben ich jeweils donnerstags in Begleitung eines Freundes pflege. Und während wir im Wochenabstand unsere Zähne in die göttliche Speise schlagen, entspringt unserem Geiste so manche Betrachtung, es sei einmal und für immer festgehalten:

Jeder Mensch hat eine Heimat. Dort also, wo der Mensch daheim ist, pflegt er im Laufe seines Lebens auch ein Gutteil seiner Nahrungsmenge aufzunehmen.

Des Öfteren verwertet er bei diesem Tun also die Produkte seiner Heimat, die, von kundiger (heimatlicher) Küchenhand bereitet, quasi als Mahlzeit gewordene Identität eine Verbindung mit seiner feinstofflichen Existenz eingehen – dies wird die Esoteriker vor Freude springen lassen.

Wir reduzieren auf ein gern genommenes Volkswort: „Der Mensch ist, was er isst“. Nicht wird er durch perpetuierende Vertilgung der raffiniert bereiteten Knollenfrucht ebenso zu einer solchen, sondern in der Folge des Gedankens vereinigt er sich durch Erdäpfelwurstaufnahme recht innig mit seiner Heimat, nimmt sie also unbewusst rituell zu sich um seine Bindung zu diesem Flecken Erde zu stärken.

Die Tatsache, dass die donnerstägliche, heimatliche Kartoffel in dieser Darreichungsform eine regional stark begrenzte Möglichkeit des Heimatkultes darstellt, erhöht den Lustgewinn ungemein. Ich denke, es muss dem philosophisch belasteten Eskimo ähnlich ergehen, wenn er schmatzend an der Robbe nagt.

Einen Mc-Irgendwas kannst du auf der ganzen Welt fressen und überall wird dich hinterher das Gefühl beschleichen, dass du in diesem Moment heimatlos geworden bist. Und wenn sie dir hundertmal einreden wollen, dass es eigentlich die glückliche Kuh von nebenan war, die du gerade in zerschnetzelter Form in dich hineingestopft hast, es ist keine Erdäpfelwurst und es wird niemals eine werden. Selig macht alleine das, was am Donnerstag zur Mittagsstunde vor dir auf dem Teller liegt, im Herzen der Heimatstadt, herangetragen von der Zeremonienmeisterin des geliebten Kultes.

Wenn wir uns schon nicht getrauen, allmorgendlich mit Lederhose und grünem Wams angetan die Stätte des Gelderwerbs aufzusuchen, da wir es nicht gerne leiden, als große Idioten dazustehen, so haben wir dennoch die Pflicht, in anderer, meinetwegen subtilerer Form der Tradition zu huldigen. Ansonsten uns alsbald der Teufel holen möge. Was der Landler im Musischen und der Trachtenrock in Bekleidungsfragen, das ist die Erdäpfelwurst im Kulinarischen. Der Gaumen stimmt den Jodler an und ein schuhplattelnder Magen lässt uns endlich wieder das sein, was wir den Rest des Tages leider zu oft zu verbergen wissen müssen: Steirer!

Zu diesem Thema wird noch einiges folgen müssen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s